Seit 2005 bin ich selbstständig als Kommunikationsberaterin, Journalistin und Coach tätig. Der Anfang war schwer und es gab immer wieder Krisenzeiten. Doch heute weiß ich, ich bin genau am richtigen Platz. Ich kreiere, gestalte, experimentiere mit Methoden, Konzepten und Ansätzen und lass mich von Kunden und ihrer Arbeit inspirieren. So sehr ich auch die Routinen und Gewohnheiten liebe, so sehr suche ich stets nach Sinn und Fülle in meinem Leben. In meinem Beitrag erzähle ich von den Hochs und Tiefs in den 16 Jahren meiner Selbstständigkeit – ein Rückblick.

In meinem letzten Job vor der Selbstständigkeit fühlte ich mich wohl

Ich bin seit 2005 selbstständig und kann sagen und fühlen, dass ich am richtigen Platz bin. Das war am Anfang anders. Ich arbeitete damals für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und den Familienverband der Jungen Gemeinschaft.  Eine Freundin aus der Studienzeit hatte mir diese Stelle 2001 „vermacht“ – sie ging nach Hamburg und empfahl mich bei ihrem Chef. Er stellte mich an als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ich schrieb Pressemitteilungen, begleitete verschiedene Kampagnen mit Marketing-Maßnahmen und betreute redaktionell die Verbandszeitungen und den jährlichen Bildungskalender. Alles war gut, ich fühlte mich seit vielen Jahren endlich mal wohl. Insbesondere das wertschätzende Miteinander, der Gemeinschaftssinn und das überaus gute Beziehungsklima taten mir sehr gut.

Kündigung – Verband erbrachte mit mir ein Bauernopfer

Eines Tages – ich hatte meinen freien Tag –  rief mich mein Chef an und teilte mir mit, dass er mir leider kündigen müsse. Es sei eine politische Entscheidung. Bei den Regionalstellen fiel aus finanziellen Erwägungen jeweils eine Stelle weg und die Mitglieder forderten, dass auch das Diözesanbüro eine Stelle „opferte“. Ich war also quasi das Bauernopfer, man sei früher auch ohne eine Referentin für Öffentlichkeitsarbeit ausgekommen und das könne man ja noch irgendwie mit erledigen.

Es war wirklich ein Schock für mich, ich erinnere mich noch gut, ich fiel aus allen Wolken. Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht mit dieser Kündigung.

Kurze Bewerbungsphase – 600 Bewerber:innen auf eine PR-Stelle

Was sollte ich tun, wie sollte es weitergehen? Ich war zwar erst 45 Jahre alt, hatte allerdings genug Erfahrung mit Bewerbungen, um sagen zu können, dass es immer schwieriger wird, eine Stelle als PR-Fachfrau zu finden. Der Markt war dicht und es kamen konstant Studienabgänger hinzu, gerade hier in der Studentenstadt Münster. Eine Sekretärin sagte mir mal im Vertrauen, dass auf eine PR-Stellenanzeige rund 600 Bewerbungen eingegangen seien. Mir wurde klar, dass ich scheitern könnte.

Sprung in die Selbstständigkeit – auf der Suche nach meiner Berufung

So fragte ich mich: Was will ich eigentlich wirklich, was ist wirklich wichtig für mich? In alten Tagebüchern schlummerte die Antwort, ich hatte es lange vergessen. Ich sehne mich schon lange danach, selbstständig zu arbeiten. Damals inspirierten mich alle Bücher von Barbara Sher. Es geht in ihren Büchern immer um das Motto: Verwirkliche deine Lebensträume, entdecke deine Berufung. „Wishcraft war ihr erstes Buch, das ich las.

Mein Arbeitgeber war sehr großzügig. Neben einer Abfindung bezahlte er mir eine Coaching-Ausbildung, die ich bei Christopher Rauen und Andreas Steinhübel absolvierte. Außerdem erledigte ich auch nach der Kündigung kleine Aufträge für die Verbände, was mir einen guten Start in die Selbstständigkeit ermöglichte. Gleichzeitig beantragte ich Fördergelder, so dass ich mich in Ruhe auf die Kundenakquise konzentrieren konnte.

Gründung von Makomm: PR, Text und Coaching

Am 1. Juli 2005 gründete ich mein Unternehmen: Makomm: PR, Text und Coaching. In meinem Unternehmensnahmen steckten die Anfangsbuchstaben meines Namen, mein Lieblingsthema „Kommunikation“ und das Wörtchen „komm“. Ein junger Medizinstudent, der grafisch recht fit war, entwickelte mit mir mein Logo und passendes Briefpapier. Mit den ersten Profilfotos von mir war ich gar nicht zufrieden. Das änderte sich später, alle Jahre machte ich neue. Teils mit verschiedenen Fotografen, seit vielen Jahren mit meiner Lieblingsfotografin Christa Henke.

Ich kann mich gut an diesen Gründungstag erinnern. Ich war bei meiner Coaching-Ausbildung, stand in der Pause mit meinen Mitstreitern zusammen und dachte: Einst war ich selbstlos, heute gehe ich selbst los. Vielleicht ein alter und etwas abgegriffener Spruch, aber mir war er damals wichtig.

Aller Anfang ist schwer – den richtigen Arbeitsrhythmus finden

Ich wollte meine Expertise als PR-Fachfrau weiter anbieten und gleichzeitig mein zweites Standbein als Coach und Trainerin weiterentwickeln. Kurzerhand richtete ich in meinem Wohnzimmer mit Zugang zur Terrasse mein Büro ein. Besprechungstisch, Büroregale, Coaching-Sitzecke und altem Schreibtisch mit Blick in den Garten. Ich war super zufrieden und startklar. Anfangs, morgens pünktlich um 9 Uhr, saß ich an meinem alten Holzschreibtisch und war bereit für meine Kunden.

Doch das Telefon klingelte nicht. Heute muss ich darüber schmunzeln. Denn ich tat dies tatsächlich etliche Jahre, beispielsweise nach meinen Urlauben oder zum Jahresanfang oder nach der Sommerpause. Schließlich begriff ich: In der Selbstständigkeit geht es nicht um „Nine to Five“. Es gibt Zeiten, in denen es ruhig ist und Zeiten, in denen alle gleichzeitig etwas von dir wollen. Und es geht darum, dass ich eigenständig sowie eigenverantwortlich meines Arbeitsalltages gestalte und gut für mich sorge. Das war es doch, wonach ich mich sehne. Ich kann und muss es so machen, wie ich es für richtig finde und wie es für mich guttut.

Dennoch, der Anfang war sehr schwer. Mein damaliger Partner trennte sich von mir, ich finanzierte die Wohnung nun allein und hatte am Anfang wenig Aufträge, um meine Existenz zu sichern. Mit wenig Geld konnte ich allerdings gut umgehen. Als Alleinerziehende, die auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abi nachmachte und ein Studium zur Kommunikationswissenschaftlerin anschloss, nebenbei unbezahlte Praktika absolvierte und nachts Cocktails feilbot, war ich es gewohnt, das Geld zusammenzuhalten.

Die ersten fünf Jahre – Routine entwickeln, lernen und ausprobieren

Die ersten fünf Jahre festigte ich meine Selbständigkeit. Ich übernahm ehrenamtlich Jobpatenschaften für Menschen, die es schwer hatten, einen Job zu finden. Bei einem Bildungsträger begleitete ich Langzeitarbeitslose darin, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das hat mir Routine beschert und ich habe selbst viel gelernt. Ich experimentierte mit Methoden, Modellen und Konzepten.  Gleichzeitig bot ich mich als Trainerin für das Thema Kommunikation an, zunächst in der Volkshochschule und kleineren Bildungseinrichtungen. Außerdem schrieb ich Texte für kleinere Unternehmen und Vereine und begleitete Existenzgründer darin, die richtige Marketing-Maßnahmen einzusetzen. Nebenher versuchte ich mich wieder als Journalistin und schrieb für ein Kirchenblättchen. Dort platzierte ich mich mit meiner Expertise in der Rubrik Familie als Trainerin für Kommunikation. Obwohl ich früher bereits für Lokalzeitungen schrieb, empfand ich mich mit den Fachartikeln zunächst als Lernende.

Mein kurzer Ausflug in die Welt des Reise-Journalismus

2010/2011 machte ich einen kleinen Ausflug in die Welt des Reise-Journalismus. Ich wollte meine Arbeit mit dem Angenehmen im Leben verbinden. Ich reiste nach Mallorca und La Palma, recherchierte meine Themen und bot meine Texte, beispielsweise Einwanderer und ihre Künste, im Anschluss deutschlandweit den Beilagen-Redaktionen der Tageszeitungen an.  Die Artikel kamen gut an, allerdings hatten die Redaktionen kein Geld. Tatsächlich fragte mich mal ein Redakteur, ob ich ihm den Text auch so zur Verfügung stelle würde, er hätte aktuell kein Budget mehr zur Verfügung. Der Aufwand für mich lohnte sich nicht, so dass ich das berufliche Reisen wieder aufgab.

Mein Durchbruch als Trainerin am Rande des Berner Oberlands in der Schweiz

Parallel gab mir ein besonderer Auftrag in der Schweiz den entscheidenden Durchbruch als Trainerin. Ein Team von Ingenieuren quartierte sich in ein historisches 4-Sterne-Alpinhotel über dem Grimselsee am Rande des Berner Oberlands und beauftragte mich als Teamcoach und Trainerin. Detailliert vorbereitet reiste ich an, holte bereits im Seminarraum meine Flipcharts aus dem Koffer und tauchte hinein in die Gedankenwelt von Brückenbauern aus der ganzen Welt. Es war unglaublich spannend, der Kunde war sehr zufrieden und ich mindestens zwei Köpfe größer.

Michaela Arlinghaus

Mit meinem neu erwachten Selbstbewusstsein akquirierte ich dann systematisch große Unternehmen und Personalabteilungen der Kommunen. Ich war erfolgreich und blicke heute auf eine lange Referentenliste zurück: Versicherungen, Sparkassen, Bistümer, Kommunen, Bezirksregierungen, große Verbände und Institutionen. Ich biete Workshops und Seminare an, begleite Teamentwicklungsprozesse und nehme Prüfungen ab, wenn Führungskräfte in den gehobenen Dienst aufsteigen möchten.

Soziale Einrichtungen sind mir die liebsten und treusten Kunden

Als Kommunikationsberaterin begleite ich seit vielen Jahren soziale Einrichtungen darin, ihre Außendarstellung zu verbessern. Ob ich das PR, Marketing, Werbung oder Beratung nenne, das ist dem Kunden egal. Kindergartenleitungen und Geschäftsführer von Alteneinrichtungen haben dringende Themen wie Fachkräftemangel, für die sie eine Lösung suchen. Inzwischen zählen auch Ordenseinrichtungen zu meinen Kunden. Der soziale Bereich ist mir mein liebstes Kundenfeld. Die Zusammenarbeit ist von Wertschätzung, Respekt und Zuverlässigkeit geprägt. Es ist eine Zusammenarbeit, die ich liebe und die mir große Freude macht.

Die Suche nach mehr Sinnhaftigkeit führt mich zur weiblichen Spiritualität

Heute, zieht es mich wieder zu neuen Ufern. Ich suche nach mehr Sinnhaftigkeit im Beruf und mehr persönlicher Tiefe. Mein Sehnen hat mich vor zwei Jahren zu Awakening Women und dem Thema weibliche Spiritualität geführt. Ich habe mich immer gescheut, mich auf dem freien Seminarmarkt mit meinen Themen anzubieten, aber nun könnte der richtige Zeitpunkt sein. Die Corona-Krise hat mir einmal mehr gezeigt, wir schnell die berufliche Existenz bedroht ist. Und wieder stellte ich mir die Frage: Was ist wirklich wichtig in meinem Leben.

Heute bin ich Bloggerin, entdecke das Schreiben für mich und sorge für mehr Sichtbarkeit

Zu Beginn des Jahres habe ich die Entscheidung getroffen, ein Online-Angebot für Frauen zu entwickeln, dass sie in ihren Veränderungsprozessen begleitet. Außerdem begegnete ich Judith Peters von Sympatexter. Sie entfachte in mir meine alte Liebe fürs Schreiben. Seitdem bin ich Bloggerin und schreibe wöchentlich einen Beitrag, einfach, weil es mir Freude macht.

Fazit

Ich liebe es, Konzepte zu entwickeln, neues Wissen zu erforschen, mich in Themen zu vertiefen, mich auszuprobieren, Lösungen für Kunden zu kreieren und ihren Fragen zu lauschen. Dabei folge ich meinem ganz eigenen Rhythmus, gehe spazieren, wenn der Kopf voll ist, mache Sport, wenn ich Bewegung brauche, tanze, wenn Gefühle raus wollen und pflege meine Rituale genauso wie ich es brauche. In fünf Jahren wird meine Rentenzeit beginnen. Wie ich diese Lebensphase füllen werde, darüber habe ich noch keine Klarheit. Bis dahin möchte ich meinen Kunden treu bleiben, weiterhin bloggen, Frauen in ihren Veränderungsprozessen begleiten und meine weibliche Spiritualität leben.

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