Reisereportage Palma de Mallorca

Reisetext Mallorca: Treffpunkt der Gaumenfreunde

Die Liebe zu Mallorca führt durch die Märkte der Insel.

Was vor wenigen Minuten als scheinbar freundliches Geplänkel zwischen zwei Kollegen begann, entwickelt sich jetzt zu einem ausgewachsenen Streit. Das Kinn vorgeschoben, die Brust gestreckt, steht der eine Mann seinem Kontrahenten fast auf den Füßen und fuchtelt mit dem Zeigefinger in Richtung Gesicht. Der Andere ist zwei Köpfe größer, doppelt so breit und spricht mit tiefer heiserer Stimme. Eine dicke Zigarre im Mundwinkel steht er breitbeinig, die dicken Arme über dem runden Bauch verschränkt und grinst. Laut und gestenreich geht es dann in Katalanisch hin und her. Nach fünf Minuten ist alles vorbei. Die beiden mallorquinischen Marktschreier stehen wieder hinter ihrer Theke als wäre nichts gewesen. Lauthals bieten sie ihre Auslage feil: Dorade, Wolfsbarsch, Seehecht, Steinbutt, Seezunge, Tintenfisch, Sardinen - Fisch und Meeresfrüchte aus dem Meer vor der Küste Mallorcas.

Etwas abseits kommt Margalida Carbonell ein bisschen zur Ruhe. Es ist später Vormittag und langsam legt sich der erste Kundenandrang im Mercat de L'Olivar, dem größten Markt der Insel. Sie beobachtet die beiden Händler, die aus der Entfernung wie „Pat y Patterchon" wirken und schmunzelt. Im täglichen Miteinander herrscht manchmal ein rauer Umgangston.Margalita arbeitet erst seit einem Jahr im Mercat. Am Anfang hatte sie von Fisch keine Ahnung, inzwischen kennt sie jede Sorte. „Mir macht es Spaß und es ist ein Job wie jeder andere auch. Meine Kunden sind größtenteils Einheimische. Touristen schauen schon mal vorbei, kaufen aber selten etwas", plaudert die 32-jährige, die auf der Insel aufgewachsen ist und vor ihrem Markt-Job im Kindergarten gearbeitet hat.

Auf Mallorca ist jeden Tag Markttag. Hier lebt ein Stück der ursprünglichen Tradition: Der Mallorquiner beginnt seinen Tag bei einem Espresso und einer Ensaimada, einem traditionellen süßen, kalorienreichen Gebäck mit Schweinefett gebacken und Puderzucker bestreut. Die Hausfrau kauft Gemüse, Fleisch und Fisch für die Sopas Mallorquinas. Die verschiedenen Eintöpfe werden im Tonkochtopf gegart und mit Vorliebe der Familie oder dem Gast serviert. Und auch die Köche der umliegenden Restaurants kommen vorbei und vergleichen Frische, Qualität und Preis der Waren.

Regelmäßig Kunde ist auch Nils Egtermeyer. Der schlanke, rothaarige junge Mann kommt aus Deutschland und kocht im Simply Fosh mitten in Palma. Es legt großen Wert auf frische Zutaten, die er gern selbst aussucht. „Wann immer ich es schaffe, gehe ich ein paar Straßen weiter zum L'Olivar und kaufe den Fisch selbst. Meine Ansprüche an die Qualität sind sehr hoch. Aber ich lasse mich auch gern vom saisonalen Angebot inspirieren." Simply Fosh bietet den Gästen, darunter viele Deutsche, mediterrane Gourmet-Küche. „Es ist eine ehrliche Küche, nichts übertriebenes mit klaren Aromen und perfektioniert in den Zutaten und das zu erschwinglichen Preisen", beschreibt der 28-jährige Chefkoch das Konzept des Hauses. Ein Drei-Gänge Mittagsmenü kostet 18 Euro.

Wem der Markt im Zentrum von Palma zu hektisch ist, der wird sich im Mercat de Santa Catalina wohl fühlen. Der Markt ist kleiner, überschaubarer, ruhiger und ein bisschen preiswerter. Das mag an der kleineren Auswahl und der Lage abseits der Hauptstadtmitte liegen. Aber auch hier macht die Auswahl Lust auf die regionalen Köstlichkeit: Wein aus Benissalem, Mahón Käse aus Menorca, Olivenöl der Sierra de Tramuntana, Orangenmarmelade aus Sóller oder die Sobrasada de Mallorca, Wurst aus Schweinefleisch mit Salz, Paprika und anderen Gewürzen verfeinert.

Jesus Egea macht seine regelmäßigen Runden durch verschiedene Märkte - auch im Mercat Santa Catalina geht er ein und aus. In Illetas, acht Kilometer von Palma entfernt, an der Südwestküste der Insel, bietet der Chefkoch im Hotel Bonsol spanische und internationale Spezialitäten. Er stammt aus Zarragozza, hat einige Jahre in Costa Rica gearbeitet und lebt jetzt seit mehr als 14 Jahren mit seiner Frau und den drei Kindern auf der Insel.

Jesus ist mit Leib und Seele Koch. „Ich esse gern und alles, was von guter und frischer Qualität ist. Wir haben auf der Insel ein ausgezeichnetes Angebot an Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst. Dazu das mallorquinische Olivenöl - ein Genuss für die Seele." Dass die kulinarischen Spezialitäten nicht nur seine Sinne verzaubern sondern auch seinen Schlemmermagen erfreuen, ist bei seiner stattlichen Leibesfülle nicht zu übersehen.

Ein Ritual ist das Treffen mit Kollegen an einer der Bars, die zur mallorquinischen Kultur eines Mercats selbstverständlich dazugehört. Hier kommen die frischen Zutaten gleich in den Ofen und anschließend als Tapas auf die Teller. Dazu ein kleines Glas Landwein oder einem Carajillo - ein Espresso mit einem Schuss Brandy - und der Tag kann beginnen. Und wer weiß: Vielleicht genießen „Pat y Patterchon" in schönster Eintracht nach getaner Arbeit gemeinsam ein Glas Wein.

Autorin: Michaela Arlinghaus

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